Pierre Werner und Erbgroßherzog Henri feiern, dass der „Luxemburger“ Satellit Astra A1 hat seine Umlaufbahn erreicht (© Luxemburger Wort)

SES, le pari fou de la „Souris qui rugit“
Luxemburger Wort

Vor zwei Wochen setzte das Luxemburger Wort diese Geschichte über die SES online, die aber kaum beachtet wurde (zumindest in meiner Filterblase). Es ist offensichtlich ein Test von längeren Formaten online. Es wird kein Autor genannt, das Datum fehlt, der Stil ist bisweilen eigenwillig, die Fotos und Videos hängen willkürlich im Layout rum – aber ich würde gerne öfter solche Formate sehen.

Die Geschichte ist auch einfach gut. Bei meinen Streifzügen durch die französischen Archivdokumente der Achtzigerjahre tauchte Luxemburg selten auf und wenn doch, dann fast immer im Zusammenhang mit SES. Die Entrüstung der Franzosen über dieses Projekt ist selbst in hochoffiziellen Dokumenten herauszulesen. Der Wort-Beitrag zeigt aber auch ganz gut, dass die Luxemburger Regierung mit SES die Medienpolitik der Nachbarländer aushebelte.

Le produit et le territoire
Bernard Thomas, d’Lëtzebuerger Land

Auch dieser Artikel ist toller Wirtschaftsjournalismus: man lernt eine Menge und es ist ansprechend geschrieben. Wenn sich beim Land mal jemand um die Internetseite kümmern würde, dann wäre der Beitrag vielleicht auch online verfügbar. So führt der Link (noch?) ins Nichts.

Dans la “jungle” des campements sauvages de migrants à Calais
Frédéric Braun, Le Quotidien

Eine tolle mit Stil und Haltung geschriebene Reportage über das Schicksal von Flüchtlingen in Calais, die leider nicht ganz online verfügbar ist.

Grün gegen Grau
Raymond Klein, woxx

Vor einer Woche war Rob Hopkins – der Begründer der Transition-Towns-Bewegung – in Luxemburg. Raymond Klein gelingt es gut, die Atmosphäre einzufangen – gerade der Konferenz am Abend. Ich war an dem Abend auch da und die Stimmung war wirklich unglaublich: 400 aufgeregte Umweltbewegte in einem Raum … mir war es etwas too much.

PS: Das mit dem Internet muss die Luxemburger Presselandschaft noch lernen.

#Varoufake
Neo Magazin Royale

Fake oder Fakefake – Medienkompetenz für Fortgeschrittene

How Robots & Algorithms Are Taking Over
Sue Halpern, The New York Review of Books

„Of the fifteen wealthiest Americans, six own digital technology companies, the oldest of which, Microsoft, has been in existence only since 1975. Six others are members of a single family, the Waltons, whose vast retail empire, with its notoriously low wages, has meant that people are much cheaper and more expendable than warehouse robots.“ Auch in der London Review of Books tauchen Roboter als spätkapitalistische Produktionsmittel auf.

Nur publizistische Ego-Shooter?
Reinhard Hübsch, SWR2 Forum

Das SWR2 Forum gehört zu den besten Radiosendungen überhaupt. In der hier verlinkten Ausgabe geht es um den „Intellektuellen in der Berliner Republik“. Was definiert einen Intellektuellen? Warum scheint es niemand vom Format eines Jürgen Habermas mehr zu geben? Was hat das alles mit einer Entpolitisierung der Öffentlichkeit zu tun? Etwas schade ist allerdings, dass – wieder einmal – das Generationenargument bemüht wird: die scheinbar unvergleichlich politisierten 68er. Die neueste Ausgabe des Kursbuch scheint sich dem entgegenzustellen. Müsste man auch mal lesen.

Journalism in the Age of the Accidental News Junkie
Derek Thompson, The Atlantic

„Today, however, there might be something very much like an “accidental news junkie”—somebody who doesn’t particularly care about the news, but spends so much time on Facebook and Twitter that he develops a soft-focus expertise in current affairs“. Die Kritik an Studien zum Medienkonsum liefert der Artikel dankenswerterweise gleich mit.

Schmeckt locker!
Marten Rolff und Max Scharnigg, Süddeutsche Zeitung

Neue Erkenntnisse in der Erforschung des Hipster-Habitats.

„Malgré la popularité des thèses écologistes, il faut s’armer de courage et être quelque peu téméraire pour défendre l’environnement en France. Au pays de l’artifice, la nature n’a pas toujours bonne presse. […] Des cohortes de philosophes et journalistes veillent en effet, prêts à débusquer toute tache brune derrière le vert de l’écologie. Si ce n’est du rouge.“

Jean Jacob, Histoire de l’écologie politique, Albin Michel, 1999, p. 11.

Illustration by Jessica Fortner (© Nature)

Anthropocene: The human age
Richard Monastersky, Nature

Sind wir Menschen zur bestimmenden „geologischen Kraft“ geworden? Die Frage, ob das Anthropozän ein politisches Schlagwort ist oder zum wissenschaftlichen Begriff taugt, beschäftigte diese Woche die (Wissenschafts)-welt (siehe New Yorker). Simon L. Lewis und Mark A. Maslin schlagen zwei Daten für den Beginn dieser geologischen Epoche vor. Erstens das Jahr 1610: Zu dieser Zeit sterben 50 Millionen Menschen auf dem amerikanischen Kontinent an den von europäischen „Entdeckern“ eingeschleppten Krankheiten, was zu einem massiven Rückgang der Landnutzung führte, der sich in den geologischen Schichten nachweisen lässt. Zweitens 1964: Der Fallout der Atombombentest ist ebenfalls in den Gesteinsschichten nachweisbar.

‚Find a new way to tell the story‘ – how the Guardian launched its climate change campaign

Wer ans Anthropozän denkt, denkt auch an Klimawandel. Alan Rusbridger will seinen letzten 6 Monate an der Spitze des Guardians nutzen, um das Klima zu retten – wenn man es böse formuliert. Interessant dabei ist, dass Rusbridger und sein Team nicht nur das Thema aufarbeiten wollen, sondern dass sie auch Einblick geben, wie sie die Story planen und ausführen. Das ist spannend, da Umweltthemen im Medienalltag selten eine solche Prominenz erlangen. Der Guardian ist eine der wenigen großen Zeitungen, die ein Umweltressort haben. Ich hoffe allerdings, dass sie ihre apokalyptischen Tonfall noch ablegen.

Socialize the Data Centres!
Evgeny Morozov, New Left Review

Ein sehr langes Interview mit Morozov, worin es sehr viel um dessen Werdegang geht. Ich finde das spannend, weil er – wie ich – Jahrgang 1984 ist … Die deutsche Fassung gibt es in der aktuellen Lettre international.

Warum es eine Provokation ist, eine Frau zu lieben
Andrea Hanna Hünniger, Die Welt

Ein berührender Text über den dünnen Lack der „Toleranz“. Was die Autorin nicht so deutlich ausdrückt, was aber bei mir nach der Lektüre hängenblieb, ist das Phänomen, dass Liebe heute zum Lifestyle gezählt wird – ein tauschbares Gut wie alles andere auch. Das erklärt vielleicht die eine oder andere Reaktion, von der sie erzählt.

City of Austin Braces For Massive Influx of Nerds
Cathy Lew, The New Yorker

„Authorities have already instituted fines for the overuse of words such as “disrupt,” “drones,” and “passionate storytellers” in public spaces. Later this week, anti-nerd task forces will begin to roll out their most drastic initiative—random WiFi outages.“

Cervantes und die Postmoderne (Matt Kielty, Latif Nasser / Radiolab.org)

La Mancha Screwjob
Radiolab

Die Sendung fängt an mit einer Geschichte über Wrestling und schließt mit Cervantes Don Quijote. Dazwischen geht es über die Grenze zwischen Realität und Fiktion, Meta-Dings und verworrene Ebenen des Realen in Erzählungen (wie in Seinfeld oder Inception) – inklusive mehreren Aha-Momenten:

Das Archiv von Radiolab birgt noch weitere Schätze: The Trust Engineers (Facebook als weltumspannendes Labor für menschliches Verhalten), In The Dust Of This Planet (über Nihilismus und True Detective), Inside „Ouch!“ (über die Subjektivität von Schmerz) usw.

Mach es doch selbst!
Evgeny Morozov (Interview), Der Tagesspiegel

„[D]ie eigentliche Idee von Politik war es mal, Risiken über die Solidargemeinschaft abzufedern und so dem Einzelnen die Angst zu nehmen.“ Morozov fordert immer wieder eine Politisierung der Frage, was mit unseren Daten passiert. Letztes Endes laufen aber seine Überlegungen darauf hinaus, wie man das Ende der Privatsphäre besser organisieren kann. Anders als Peter Schaar, der Privatsphäre als Menschenrecht (Juli 2014) verteidigen will.

Sur le terrain des riches
Jules Naudet, La vie des idées

Soziologiestudenten aus Seine-Saint-Denis unternehmen eine (teilnehmende) Beobachtung des schicken Pariser 8. Arrondissements. Zwei Welten treffen aufeinander.

Ein Ausstieg mit drastischen Folgen
Timo Frasch, FAZ

Politischer Wille reicht nicht, es braucht auch Regierungskunst. Aber in Deutschland werden solche Fälle immerhin parlamentarisch aufgearbeitet. In Luxemburg braucht es dagegen sehr große Skandale (aber auch nicht zu groß), damit es eine Untersuchungskommission gibt.

#EUpickuplines

Sehr, sehr lustig (für EU-Nerds). La Libre bietet einen Überblick. Und wie konnte ich bis Donnerstag brauchen, bis ich den Hashtag entdeckt habe?