Zu HuffPo, Slate, Politico, ProPublica et al.:

„The first generation of digital sites as a whole […] helped lead journalism out of the kingdom of traditional print and broadcasting into the liberating land of the Internet, only to become stranded.“

Michael Massing, Digital Journalism: How Good Is It?, in: The New York Review of Books

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(Für alle, die das Video noch nicht gesehen haben sollten.)

A League of His Own
Tariq Panja, Andrew Martin, and Vernon Silver, Bloomberg Business

Ein lesenswertes Panorama der Blatter-Welt (via Weekly Filet):

In a Strangelovian lair on the third subterranean level, Blatter holds executive committee meetings in a conference room with a floor of lapis lazuli. The room is lit by a round, crystal chandelier meant to evoke a soccer stadium.

 

Why movies make the best journalism
Richard Gehr, Columbia Journalism Review

Produzieren Dokumentarfilmer den besseren Journalismus? Die These ist reizvoll, aber ich denke nicht, dass sie zutrifft. Bekäme ein Printjournalist das gleiche Zeit- und Geldbudget wie ein Dokumentarfilmer, dann wäre das Ergebnis wohl vergleichbarer. Richtig ist allerdings, dass Storytelling grundsätzlich im Print unterschätzt wird.

As Academy Award-winning Citizenfour director Laura Poitras noted at a recent Sundance panel, documentary filmmaking is “journalism plus”: a combination of fact-finding, storytelling, and “trying to get at larger questions about the human condition.”

 

Die Produktion von Angst
Constantin Seibt, Tages-Anzeiger

Die Empörungsgeschichte ist heute das erfolgreichste Genre des Journalismus. Vor den Folgen warnt Constantin Seibt.

Er is geen enkel bewijs dat de Nederlandse kabels zijn afgetapt
Maurits Martijn, De Correspondent

In den Niederlanden ist – genau wie in Luxemburg –  die Überwachung europäischer Datenleitungen durch den BND ein Thema. Hier wie dort basiert die Berichterstattung auf Dokumenten, die der österreichische grüne Abgeordnete Peter Pilz veröffentlicht hat. Martijn warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen: Niemand wisse, ob die Dokumente echt seien, ob die Leitungen tatsächlich angezapft worden sind, um welchen Typ es sich handelt, ob es um Massenüberwachung geht, teils handelt es sich um Wunschlisten (allerdings nicht im Falle Luxemburgs) usw. Der Autor fordert Aufklärung vom niederländischen Netzbetreiber und politischen Druck, um von deutscher Seite Informationen zu erhalten.

Enquête sur l’Islam de France
Jacques Monin, France Inter

Wer repräsentiert den Islam in Frankreich? Laut dieser – sehr differenzierten – Reportage sind es ältere Männer, die von den Konsulaten Marokkos, Algeriens und der Türkei ausgewählt werden. Der ausländische Einfluss erschwert eine Modernisierung der Strukturen und der Glaubensinhalte, die vermittelt werden. Der Laizismus verhindert jede Einflussnahme des französischen Staates auf die Entwicklung des Islams in Frankreich. Eine strikte Trennung ist also nur bedingt hilfreich – eine Erkenntnis, die in Luxemburg geflissentlich ignoriert wird.

Joschka und Herr Fischer
Pepe Danquart, SWR Fernsehen

Diese Doku von 2011 lief vor wenigen Tagen in der ARD und erzählt deutsche Zeitgeschichte aus der Sicht Joschka Fischers. Der Anfang ist etwas zäh, aber anschließend wird es richtig gut. Gerade die Zeit, wo Fischer vom Frankfurter Sponti zum grünen Abgeordneten wird, ist sehr schön nachgezeichnet. (via)

Die Menschenzeit – Welches Weltbild steckt in der Idee vom Anthropozän?
SWR2 Forum

Eine meiner Lieblingsradiosendungen berichtet über eines meiner Lieblingsthemen. Im Grunde waren sich die Gäste im Studio alle einig: das Konzept Anthropozän ist und sollte ein politischer Begriff sein, die Debatte sollte nicht nur von Naturwissenschaftlern geführt werden und schließlich helfe die Idee eines Menschenzeitalters, die binäre Trennung zwischen Mensch und Natur zu überwinden und systemischer zu denken (alles hängt mit allem zusammen). Doch der Moderator Gábor Paál war nicht überzeugt – er kam in einem Kommentar für Spektrum der Wissenschaft auf die Sendung zurück und forderte: „es muss klar bleiben, wo die Wissenschaft aufhört und wo die Deutungen durch Kunst, Philosophie, Politik und Ethik beginnen.“ Den Naturwissenschaftlern die alleinige Definitionsmacht zu überlassen, davor warnen jedoch Christophe Bonneuil und Jean-Baptiste Fressoz in ihrem grandiosem Buch L’Evenement Anthroppcène„Voici donc un récit prophétique qui place les scientifiques du système Terre, avec leurs nouveaux griots des humanités, aux commandes d’une planète déréglée de son humanité égarée. Et un géo-gouvernement des savants !“ (S. 100) Die beiden Autoren befürchten, dass das Anthropozän als Diskurs dazu dient, „Geoengineering“ (also die Idee die Klimaerwärumg durch Eingriff in die Atmosphäre abzuschwächen) salonfähig zu machen. Im SWR2 Forum wurde diese Befürchtung allerdings nicht geteilt.

Die irrwitzige Geschichte des bekanntesten Brettspiels der Welt – Monopoly
Jan Ludwig, Krautreporter

Eine tolle Geschichte – da hat sich mein Krautreporter-Abo mal gelohnt!

Der britische Historikerstreit
Alex Drace-Francis, London Review of Books

In Großbritannien mischen sich Historiker in die Debatte über den Brexit ein – das Niveau ist allerdings unterirdisch. Warum haben Historiker so große Probleme, ihren „methodolgischen Nationalismus“ abzulegen?

How a Gay-Marriage Study Went Wrong
Maria Konnikova, The New Yorker

In der Episode von This American Life, die ich letzte Woche verlinkte, wurde auf eine Studie über gay rights Bezug genommen, die sich nun diese Woche als wohl größtenteils gefälscht herausstellt. Die Studie wollte zeigen, dass sich Gegner der „Ehe für alle“ ihre Meinung dauerhaft änderten, wenn Aktivisten sie in ein persönliches Gespräch verwickelten. Für Maria Konnikova liegt die Ironie in der Geschichte, dass die involvierten Wissenschaftler und Aktivisten das Ergebnis der Studie glauben wollten, weil sie ihren Überzeugungen entsprach.

The Killing of Osama bin Laden

Seymour M. Hersh, London Review of Books

Aufreger der Woche war ohne Zweifel Seymour Hershs Entzauberung der letzten amerikanischen Heldengeschichte: das Finden und Töten Osama bin Ladens. Glaubt man Hersh, dann ist an der Geschichte wie sie der Film Zero Dark Thirty erzählt – dessen Drehbuchschreiber von der CIA gefüttert wurden –, kaum etwas Wahres dran. Im Gegenzug wird nun Hershs Version als Verschwörungstheorie bezeichnet, vor allem weil er sich auf anonyme Quellen beruft. Der reagiert patzig auf die Kritik: „I am not backing off anything I said„. Inzwischen finden sich jedoch Journalisten, die Details bestätigen und die Kritiker kritisieren.

The Incredible Rarity of Changing Your Mind
This American Life

Im ersten Teil der Sendung geht es um Aktivisten, die von Tür zu Tür gehen und versuchen, durch persönliche Gespräche Menschen von gay rights oder dem Recht auf Abtreibung zu überzeugen. Das ist alles sehr amerikanisch, aber ich kam trotzdem ins Grübeln angesichts des Referendums vom 7. Juni. Bei der letzten TNS-Ilres-Umfrage sagten 90% der Befragten, ihre Entscheidung sei bereits getroffen – bevor die offizielle Kampagne begonnen hatte. Vielleicht wäre die Kampagne erfolgreicher, wenn sie weniger abstrakt (Souveränität, Identität, Demokratie), sondern persönlicher geführt würde.

Was Facebook will? Die De-Institutionalisierung des Journalismus!
Stefan Schulz, Sozialtheoristen

Der Soziologe und Ex-FAZ-Volontär Stefan Schulz analysiert, wie sich journalistische Inhalte immer weiter von den Institutionen (Zeitungsverlage, Sendeanstalten) lösen, die sie produzieren. So schreibt er, dass es den Lesern zunehmend egal ist, von wo der Artikel stammt, den sie in ihrem Facebook-Feed entdecken. Damit wird aber das Fundament untergraben, auf das sich der Journalismus heute noch stützt. Der Beitrag enthält viele spannende Ideen, aber er ließ mich etwas ratlos zurück.

Techniktagebuch
Kathrin Passig et al.

Meine liebste Prokrastinationswaffe ist dieses Blog, in dem diverse Autoren von Alltagstechnik erzählen – z.B. der Jugendliche, der an einem Telefon mit Wählscheibe scheitert, seit wann man im Internet nicht mehr unter Spitznamen unterwegs ist und das Mit-der-Hand-Schreiben langsam verschwindet. Die Techniktagebuch-Autoren waren auch auf der re:publica mit einem Vortrag vertreten, wo u.a. ein Walkman präsentiert wurde (ach, Nostalgie).