Joschka und Herr Fischer
Pepe Danquart, SWR Fernsehen

Diese Doku von 2011 lief vor wenigen Tagen in der ARD und erzählt deutsche Zeitgeschichte aus der Sicht Joschka Fischers. Der Anfang ist etwas zäh, aber anschließend wird es richtig gut. Gerade die Zeit, wo Fischer vom Frankfurter Sponti zum grünen Abgeordneten wird, ist sehr schön nachgezeichnet. (via)

Die Menschenzeit – Welches Weltbild steckt in der Idee vom Anthropozän?
SWR2 Forum

Eine meiner Lieblingsradiosendungen berichtet über eines meiner Lieblingsthemen. Im Grunde waren sich die Gäste im Studio alle einig: das Konzept Anthropozän ist und sollte ein politischer Begriff sein, die Debatte sollte nicht nur von Naturwissenschaftlern geführt werden und schließlich helfe die Idee eines Menschenzeitalters, die binäre Trennung zwischen Mensch und Natur zu überwinden und systemischer zu denken (alles hängt mit allem zusammen). Doch der Moderator Gábor Paál war nicht überzeugt – er kam in einem Kommentar für Spektrum der Wissenschaft auf die Sendung zurück und forderte: „es muss klar bleiben, wo die Wissenschaft aufhört und wo die Deutungen durch Kunst, Philosophie, Politik und Ethik beginnen.“ Den Naturwissenschaftlern die alleinige Definitionsmacht zu überlassen, davor warnen jedoch Christophe Bonneuil und Jean-Baptiste Fressoz in ihrem grandiosem Buch L’Evenement Anthroppcène„Voici donc un récit prophétique qui place les scientifiques du système Terre, avec leurs nouveaux griots des humanités, aux commandes d’une planète déréglée de son humanité égarée. Et un géo-gouvernement des savants !“ (S. 100) Die beiden Autoren befürchten, dass das Anthropozän als Diskurs dazu dient, „Geoengineering“ (also die Idee die Klimaerwärumg durch Eingriff in die Atmosphäre abzuschwächen) salonfähig zu machen. Im SWR2 Forum wurde diese Befürchtung allerdings nicht geteilt.

Die irrwitzige Geschichte des bekanntesten Brettspiels der Welt – Monopoly
Jan Ludwig, Krautreporter

Eine tolle Geschichte – da hat sich mein Krautreporter-Abo mal gelohnt!

Der britische Historikerstreit
Alex Drace-Francis, London Review of Books

In Großbritannien mischen sich Historiker in die Debatte über den Brexit ein – das Niveau ist allerdings unterirdisch. Warum haben Historiker so große Probleme, ihren „methodolgischen Nationalismus“ abzulegen?

How a Gay-Marriage Study Went Wrong
Maria Konnikova, The New Yorker

In der Episode von This American Life, die ich letzte Woche verlinkte, wurde auf eine Studie über gay rights Bezug genommen, die sich nun diese Woche als wohl größtenteils gefälscht herausstellt. Die Studie wollte zeigen, dass sich Gegner der „Ehe für alle“ ihre Meinung dauerhaft änderten, wenn Aktivisten sie in ein persönliches Gespräch verwickelten. Für Maria Konnikova liegt die Ironie in der Geschichte, dass die involvierten Wissenschaftler und Aktivisten das Ergebnis der Studie glauben wollten, weil sie ihren Überzeugungen entsprach.