Can Politico make Brussels sexy?
Gideon Lewis-Kraus, The Guardian

Als europhiler Newsjunkie fasziniert mich Politico – muss ich zugeben. Entsprechend viel habe ich dazu gelesen, aber dieser Beitrag ist weit besser: durchaus wohlwollend, aber trotzdem bringt der Autor die Probleme auf den Punkt. Politico müsse sich sowohl ihre Leserschaft als auch den Gegenstand der Berichterstattung erst selbst schaffen, schreibt er etwa:

the appetite for Politico in DC existed before Politico did. The audience for a digital-first gossip-mongering Brussels-based Anglophone pan-European publication does not yet exist, and each one of those constitutive elements presents its own problem.

Und das Lesen lohnt allein wegen Sätzen wie diesen:

Juncker’s CV reads almost as though he were a performance artist of bureaucracy

The Plunder of Africa
Howard French, Foreign Affairs

Der Autor rezensiert The Looting Machine von Tom Burgis – offensichtlich ein sehr gutes Buch:

“In 2010,” he writes, “fuel and mineral exports from Africa were worth $333 billion, more than seven times the value of the aid that went in the opposite direction.”

Einer der Hauptgründe für die Probleme des Kontinents sind – oh Wunder – die lächerlich geringen Steuern, die multinationale Konzerne den afrikanischen Staaten zahlen.

Eye in the Sky
Radiolab, NPR

Massenüberwachung in absoluter Form: Davon handelt dieser Beitrag über ein privates Unternehmen, das mit Flugzeugen über Städten kreist und mit Hochleistungskameras alles fotografiert, was dort passiert. Das System wurde in mehreren amerikanischen Städten getestet und löste dort größere Debatten aus, denn einerseits ist es sehr effizient und andererseits aber auch äußerst creepy. In einer weiteren Sendung geht darum, wie ein verurteilter Betrüger herausfindet, was ihn hinter Gitter gebracht hat, nämlich ein sogenannter Stingray bzw. IMSI-Catcher. Diese Überwachungstechnik war damals absolut geheim, so geheim, dass sich Verfolgungsbehörden verpflichteten deren Existenz nicht in Gerichtsprozessen zu erwähnen.

Mamour, mon amour
Dominik Galliker et al., BZ Berner Zeitung

Eine etwas besondere Liebesgeschichte, die sehr einfühlsam und technisch hervorragend erzählt wird. Dafür gab es einen Grimme Online Award 2015.

In-depth: the science behind the papal encyclical
Sophie Yeo, The Carbon Brief

Die „Klima-Enzyklika“ war eines der Hauptthemen der Woche. Manche kritisierten (zurecht), dass dem Papst mehr Aufmerksamkeit geschenkt würde als dem IPCC. Doch in gewisser Weise scheint es dem Papst gelungen zu sein, die Arbeit des IPCC und moralische Anliegen auf einen Nenner zu bringen. Eine Folge davon ist eine schlimme Form kognitiver Dissonanz bei katholischen US-Amerikanern, die es vorziehen, in heiliger Ignoranz zu leben.