The Art of Dissent
Laura Poitras, The New York Times

Oder die Ästhetik des Schredderns – ein Kurzfilm über ein Projekt von Ai Weiwei und Jacob Appelbaum.

Anmerkungen mit grüner Tinte
Nico Fried, Süddeutsche Zeitung

Über den Autorisierungswahn in Deutschland am Beispiel eines Merkel-Interviews. In Luxemburg erreicht man diese Extreme Gott sei Dank (noch) nicht.

Christian human rights—An introduction
Samuel Moyn, The Immanent Frame

Inwieweit haben die Menschenrechte ein christliches Fundament? Sehr differenziert geht der Harvard-Professor dieser Frage nach. Er erklärt zum Beispiel, dass das Konzept der Menschenwürde von Papst Pius XII. Weihnachten 1942 geprägt worden sei. (via)

A New Solution: The Climate Club
William D. Nordhaus, The New York Review of Books

Wie entkommen wir der „Tragedy of the Commons“ in der Klimapolitik?

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(Für alle, die das Video noch nicht gesehen haben sollten.)

A League of His Own
Tariq Panja, Andrew Martin, and Vernon Silver, Bloomberg Business

Ein lesenswertes Panorama der Blatter-Welt (via Weekly Filet):

In a Strangelovian lair on the third subterranean level, Blatter holds executive committee meetings in a conference room with a floor of lapis lazuli. The room is lit by a round, crystal chandelier meant to evoke a soccer stadium.

 

Why movies make the best journalism
Richard Gehr, Columbia Journalism Review

Produzieren Dokumentarfilmer den besseren Journalismus? Die These ist reizvoll, aber ich denke nicht, dass sie zutrifft. Bekäme ein Printjournalist das gleiche Zeit- und Geldbudget wie ein Dokumentarfilmer, dann wäre das Ergebnis wohl vergleichbarer. Richtig ist allerdings, dass Storytelling grundsätzlich im Print unterschätzt wird.

As Academy Award-winning Citizenfour director Laura Poitras noted at a recent Sundance panel, documentary filmmaking is “journalism plus”: a combination of fact-finding, storytelling, and “trying to get at larger questions about the human condition.”

 

Die Produktion von Angst
Constantin Seibt, Tages-Anzeiger

Die Empörungsgeschichte ist heute das erfolgreichste Genre des Journalismus. Vor den Folgen warnt Constantin Seibt.

Er is geen enkel bewijs dat de Nederlandse kabels zijn afgetapt
Maurits Martijn, De Correspondent

In den Niederlanden ist – genau wie in Luxemburg –  die Überwachung europäischer Datenleitungen durch den BND ein Thema. Hier wie dort basiert die Berichterstattung auf Dokumenten, die der österreichische grüne Abgeordnete Peter Pilz veröffentlicht hat. Martijn warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen: Niemand wisse, ob die Dokumente echt seien, ob die Leitungen tatsächlich angezapft worden sind, um welchen Typ es sich handelt, ob es um Massenüberwachung geht, teils handelt es sich um Wunschlisten (allerdings nicht im Falle Luxemburgs) usw. Der Autor fordert Aufklärung vom niederländischen Netzbetreiber und politischen Druck, um von deutscher Seite Informationen zu erhalten.

Enquête sur l’Islam de France
Jacques Monin, France Inter

Wer repräsentiert den Islam in Frankreich? Laut dieser – sehr differenzierten – Reportage sind es ältere Männer, die von den Konsulaten Marokkos, Algeriens und der Türkei ausgewählt werden. Der ausländische Einfluss erschwert eine Modernisierung der Strukturen und der Glaubensinhalte, die vermittelt werden. Der Laizismus verhindert jede Einflussnahme des französischen Staates auf die Entwicklung des Islams in Frankreich. Eine strikte Trennung ist also nur bedingt hilfreich – eine Erkenntnis, die in Luxemburg geflissentlich ignoriert wird.

Joschka und Herr Fischer
Pepe Danquart, SWR Fernsehen

Diese Doku von 2011 lief vor wenigen Tagen in der ARD und erzählt deutsche Zeitgeschichte aus der Sicht Joschka Fischers. Der Anfang ist etwas zäh, aber anschließend wird es richtig gut. Gerade die Zeit, wo Fischer vom Frankfurter Sponti zum grünen Abgeordneten wird, ist sehr schön nachgezeichnet. (via)

Die Menschenzeit – Welches Weltbild steckt in der Idee vom Anthropozän?
SWR2 Forum

Eine meiner Lieblingsradiosendungen berichtet über eines meiner Lieblingsthemen. Im Grunde waren sich die Gäste im Studio alle einig: das Konzept Anthropozän ist und sollte ein politischer Begriff sein, die Debatte sollte nicht nur von Naturwissenschaftlern geführt werden und schließlich helfe die Idee eines Menschenzeitalters, die binäre Trennung zwischen Mensch und Natur zu überwinden und systemischer zu denken (alles hängt mit allem zusammen). Doch der Moderator Gábor Paál war nicht überzeugt – er kam in einem Kommentar für Spektrum der Wissenschaft auf die Sendung zurück und forderte: „es muss klar bleiben, wo die Wissenschaft aufhört und wo die Deutungen durch Kunst, Philosophie, Politik und Ethik beginnen.“ Den Naturwissenschaftlern die alleinige Definitionsmacht zu überlassen, davor warnen jedoch Christophe Bonneuil und Jean-Baptiste Fressoz in ihrem grandiosem Buch L’Evenement Anthroppcène„Voici donc un récit prophétique qui place les scientifiques du système Terre, avec leurs nouveaux griots des humanités, aux commandes d’une planète déréglée de son humanité égarée. Et un géo-gouvernement des savants !“ (S. 100) Die beiden Autoren befürchten, dass das Anthropozän als Diskurs dazu dient, „Geoengineering“ (also die Idee die Klimaerwärumg durch Eingriff in die Atmosphäre abzuschwächen) salonfähig zu machen. Im SWR2 Forum wurde diese Befürchtung allerdings nicht geteilt.

Die irrwitzige Geschichte des bekanntesten Brettspiels der Welt – Monopoly
Jan Ludwig, Krautreporter

Eine tolle Geschichte – da hat sich mein Krautreporter-Abo mal gelohnt!

Der britische Historikerstreit
Alex Drace-Francis, London Review of Books

In Großbritannien mischen sich Historiker in die Debatte über den Brexit ein – das Niveau ist allerdings unterirdisch. Warum haben Historiker so große Probleme, ihren „methodolgischen Nationalismus“ abzulegen?

How a Gay-Marriage Study Went Wrong
Maria Konnikova, The New Yorker

In der Episode von This American Life, die ich letzte Woche verlinkte, wurde auf eine Studie über gay rights Bezug genommen, die sich nun diese Woche als wohl größtenteils gefälscht herausstellt. Die Studie wollte zeigen, dass sich Gegner der „Ehe für alle“ ihre Meinung dauerhaft änderten, wenn Aktivisten sie in ein persönliches Gespräch verwickelten. Für Maria Konnikova liegt die Ironie in der Geschichte, dass die involvierten Wissenschaftler und Aktivisten das Ergebnis der Studie glauben wollten, weil sie ihren Überzeugungen entsprach.

The Killing of Osama bin Laden

Seymour M. Hersh, London Review of Books

Aufreger der Woche war ohne Zweifel Seymour Hershs Entzauberung der letzten amerikanischen Heldengeschichte: das Finden und Töten Osama bin Ladens. Glaubt man Hersh, dann ist an der Geschichte wie sie der Film Zero Dark Thirty erzählt – dessen Drehbuchschreiber von der CIA gefüttert wurden –, kaum etwas Wahres dran. Im Gegenzug wird nun Hershs Version als Verschwörungstheorie bezeichnet, vor allem weil er sich auf anonyme Quellen beruft. Der reagiert patzig auf die Kritik: „I am not backing off anything I said„. Inzwischen finden sich jedoch Journalisten, die Details bestätigen und die Kritiker kritisieren.

The Incredible Rarity of Changing Your Mind
This American Life

Im ersten Teil der Sendung geht es um Aktivisten, die von Tür zu Tür gehen und versuchen, durch persönliche Gespräche Menschen von gay rights oder dem Recht auf Abtreibung zu überzeugen. Das ist alles sehr amerikanisch, aber ich kam trotzdem ins Grübeln angesichts des Referendums vom 7. Juni. Bei der letzten TNS-Ilres-Umfrage sagten 90% der Befragten, ihre Entscheidung sei bereits getroffen – bevor die offizielle Kampagne begonnen hatte. Vielleicht wäre die Kampagne erfolgreicher, wenn sie weniger abstrakt (Souveränität, Identität, Demokratie), sondern persönlicher geführt würde.

Was Facebook will? Die De-Institutionalisierung des Journalismus!
Stefan Schulz, Sozialtheoristen

Der Soziologe und Ex-FAZ-Volontär Stefan Schulz analysiert, wie sich journalistische Inhalte immer weiter von den Institutionen (Zeitungsverlage, Sendeanstalten) lösen, die sie produzieren. So schreibt er, dass es den Lesern zunehmend egal ist, von wo der Artikel stammt, den sie in ihrem Facebook-Feed entdecken. Damit wird aber das Fundament untergraben, auf das sich der Journalismus heute noch stützt. Der Beitrag enthält viele spannende Ideen, aber er ließ mich etwas ratlos zurück.

Techniktagebuch
Kathrin Passig et al.

Meine liebste Prokrastinationswaffe ist dieses Blog, in dem diverse Autoren von Alltagstechnik erzählen – z.B. der Jugendliche, der an einem Telefon mit Wählscheibe scheitert, seit wann man im Internet nicht mehr unter Spitznamen unterwegs ist und das Mit-der-Hand-Schreiben langsam verschwindet. Die Techniktagebuch-Autoren waren auch auf der re:publica mit einem Vortrag vertreten, wo u.a. ein Walkman präsentiert wurde (ach, Nostalgie).

“Where’s the beef?!” – Amerikanische Popkultur im Jahr 1984

1984 (the year, not the book)
Benjamen Walker, The Theory of Everything

Der Autor führte 1984 als 12-Jähriger ein Tagebuch, um zu beweisen, dass 1984 doch sehr 1984 ähnele. Es ist eine tolle Idee, ein Jahr auf diese Weise multimedial zu vermitteln – gerade 1984. Etwas ganz ähnliches macht George Packer in seinem Buch The Unwinding. An Inner History of the New America. Könnte man auch mal für Luxemburg machen …

Stuck on the Flypaper
Frances Stonor Saunders, London Review of Books

„Geheimdéngschtarchiven zerstéieren? Net a Groussbritannien“, schrieb Pia Oppel zu diesem Artikel. Und tatsächlich zeigt dieser Artikel über das MI5-Dossier des Historikers Eric Hobsbawm, dass eine historische Aufarbeitung bzw. Kontrolle der Arbeit von Geheimdiensten braucht. Der MI5 blockierte die Karriere von Hobsbawm (einer der brillantesten Historiker überhaupt), wo er nur konnte und das nur weil er Mitglied der britischen Kommunistischen Partei war. Die Inkompetenz und Beschränktheit des MI5, die aus dem Beitrag hervorgeht, erinnert sehr stark an die SREL-Affäre.

The Maddest Men of All
Stephen J. Dubner, Freakonomics Radio 

Wie Erkenntnisse aus der Verhaltensökonomik (behavioral economics) in der Werbe- und Marketingindustrie eingesetzt werden, erklärt dieser Podcast (deshalb der Verweis auf Mad Men). Zum Schluss geht es allerdings auch um Anwendungen in „human ressources“. Die Sendung ist intellektuell sehr anregend, aber die Grenze zu „creepy“ ist nie weit – was auch thematisiert wird.

„Hien huet d’Demontage vum Sozialstaat gebremst.“

Romain Hilgert bilanziert die Juncker-Ära auf Twitter (!) in genau 47 Zeichen. Discuss.

Der Kontext ist eine Twitter-Diskussion zwischen Pierre Lorang und Romain Hilgert über Jochen Zenthöfers neues Büchlein Zäit fir ee Bilan. Die erste Bilanz der Ära Juncker.

Pierre Werner und Erbgroßherzog Henri feiern, dass der „Luxemburger“ Satellit Astra A1 hat seine Umlaufbahn erreicht (© Luxemburger Wort)

SES, le pari fou de la „Souris qui rugit“
Luxemburger Wort

Vor zwei Wochen setzte das Luxemburger Wort diese Geschichte über die SES online, die aber kaum beachtet wurde (zumindest in meiner Filterblase). Es ist offensichtlich ein Test von längeren Formaten online. Es wird kein Autor genannt, das Datum fehlt, der Stil ist bisweilen eigenwillig, die Fotos und Videos hängen willkürlich im Layout rum – aber ich würde gerne öfter solche Formate sehen.

Die Geschichte ist auch einfach gut. Bei meinen Streifzügen durch die französischen Archivdokumente der Achtzigerjahre tauchte Luxemburg selten auf und wenn doch, dann fast immer im Zusammenhang mit SES. Die Entrüstung der Franzosen über dieses Projekt ist selbst in hochoffiziellen Dokumenten herauszulesen. Der Wort-Beitrag zeigt aber auch ganz gut, dass die Luxemburger Regierung mit SES die Medienpolitik der Nachbarländer aushebelte.

Le produit et le territoire
Bernard Thomas, d’Lëtzebuerger Land

Auch dieser Artikel ist toller Wirtschaftsjournalismus: man lernt eine Menge und es ist ansprechend geschrieben. Wenn sich beim Land mal jemand um die Internetseite kümmern würde, dann wäre der Beitrag vielleicht auch online verfügbar. So führt der Link (noch?) ins Nichts.

Dans la “jungle” des campements sauvages de migrants à Calais
Frédéric Braun, Le Quotidien

Eine tolle mit Stil und Haltung geschriebene Reportage über das Schicksal von Flüchtlingen in Calais, die leider nicht ganz online verfügbar ist.

Grün gegen Grau
Raymond Klein, woxx

Vor einer Woche war Rob Hopkins – der Begründer der Transition-Towns-Bewegung – in Luxemburg. Raymond Klein gelingt es gut, die Atmosphäre einzufangen – gerade der Konferenz am Abend. Ich war an dem Abend auch da und die Stimmung war wirklich unglaublich: 400 aufgeregte Umweltbewegte in einem Raum … mir war es etwas too much.

PS: Das mit dem Internet muss die Luxemburger Presselandschaft noch lernen.

#Varoufake
Neo Magazin Royale

Fake oder Fakefake – Medienkompetenz für Fortgeschrittene

How Robots & Algorithms Are Taking Over
Sue Halpern, The New York Review of Books

„Of the fifteen wealthiest Americans, six own digital technology companies, the oldest of which, Microsoft, has been in existence only since 1975. Six others are members of a single family, the Waltons, whose vast retail empire, with its notoriously low wages, has meant that people are much cheaper and more expendable than warehouse robots.“ Auch in der London Review of Books tauchen Roboter als spätkapitalistische Produktionsmittel auf.

Nur publizistische Ego-Shooter?
Reinhard Hübsch, SWR2 Forum

Das SWR2 Forum gehört zu den besten Radiosendungen überhaupt. In der hier verlinkten Ausgabe geht es um den „Intellektuellen in der Berliner Republik“. Was definiert einen Intellektuellen? Warum scheint es niemand vom Format eines Jürgen Habermas mehr zu geben? Was hat das alles mit einer Entpolitisierung der Öffentlichkeit zu tun? Etwas schade ist allerdings, dass – wieder einmal – das Generationenargument bemüht wird: die scheinbar unvergleichlich politisierten 68er. Die neueste Ausgabe des Kursbuch scheint sich dem entgegenzustellen. Müsste man auch mal lesen.

Journalism in the Age of the Accidental News Junkie
Derek Thompson, The Atlantic

„Today, however, there might be something very much like an “accidental news junkie”—somebody who doesn’t particularly care about the news, but spends so much time on Facebook and Twitter that he develops a soft-focus expertise in current affairs“. Die Kritik an Studien zum Medienkonsum liefert der Artikel dankenswerterweise gleich mit.

Schmeckt locker!
Marten Rolff und Max Scharnigg, Süddeutsche Zeitung

Neue Erkenntnisse in der Erforschung des Hipster-Habitats.

Illustration by Jessica Fortner (© Nature)

Anthropocene: The human age
Richard Monastersky, Nature

Sind wir Menschen zur bestimmenden „geologischen Kraft“ geworden? Die Frage, ob das Anthropozän ein politisches Schlagwort ist oder zum wissenschaftlichen Begriff taugt, beschäftigte diese Woche die (Wissenschafts)-welt (siehe New Yorker). Simon L. Lewis und Mark A. Maslin schlagen zwei Daten für den Beginn dieser geologischen Epoche vor. Erstens das Jahr 1610: Zu dieser Zeit sterben 50 Millionen Menschen auf dem amerikanischen Kontinent an den von europäischen „Entdeckern“ eingeschleppten Krankheiten, was zu einem massiven Rückgang der Landnutzung führte, der sich in den geologischen Schichten nachweisen lässt. Zweitens 1964: Der Fallout der Atombombentest ist ebenfalls in den Gesteinsschichten nachweisbar.

‚Find a new way to tell the story‘ – how the Guardian launched its climate change campaign

Wer ans Anthropozän denkt, denkt auch an Klimawandel. Alan Rusbridger will seinen letzten 6 Monate an der Spitze des Guardians nutzen, um das Klima zu retten – wenn man es böse formuliert. Interessant dabei ist, dass Rusbridger und sein Team nicht nur das Thema aufarbeiten wollen, sondern dass sie auch Einblick geben, wie sie die Story planen und ausführen. Das ist spannend, da Umweltthemen im Medienalltag selten eine solche Prominenz erlangen. Der Guardian ist eine der wenigen großen Zeitungen, die ein Umweltressort haben. Ich hoffe allerdings, dass sie ihre apokalyptischen Tonfall noch ablegen.

Socialize the Data Centres!
Evgeny Morozov, New Left Review

Ein sehr langes Interview mit Morozov, worin es sehr viel um dessen Werdegang geht. Ich finde das spannend, weil er – wie ich – Jahrgang 1984 ist … Die deutsche Fassung gibt es in der aktuellen Lettre international.

Warum es eine Provokation ist, eine Frau zu lieben
Andrea Hanna Hünniger, Die Welt

Ein berührender Text über den dünnen Lack der „Toleranz“. Was die Autorin nicht so deutlich ausdrückt, was aber bei mir nach der Lektüre hängenblieb, ist das Phänomen, dass Liebe heute zum Lifestyle gezählt wird – ein tauschbares Gut wie alles andere auch. Das erklärt vielleicht die eine oder andere Reaktion, von der sie erzählt.

City of Austin Braces For Massive Influx of Nerds
Cathy Lew, The New Yorker

„Authorities have already instituted fines for the overuse of words such as “disrupt,” “drones,” and “passionate storytellers” in public spaces. Later this week, anti-nerd task forces will begin to roll out their most drastic initiative—random WiFi outages.“

Cervantes und die Postmoderne (Matt Kielty, Latif Nasser / Radiolab.org)

La Mancha Screwjob
Radiolab

Die Sendung fängt an mit einer Geschichte über Wrestling und schließt mit Cervantes Don Quijote. Dazwischen geht es über die Grenze zwischen Realität und Fiktion, Meta-Dings und verworrene Ebenen des Realen in Erzählungen (wie in Seinfeld oder Inception) – inklusive mehreren Aha-Momenten:

Das Archiv von Radiolab birgt noch weitere Schätze: The Trust Engineers (Facebook als weltumspannendes Labor für menschliches Verhalten), In The Dust Of This Planet (über Nihilismus und True Detective), Inside „Ouch!“ (über die Subjektivität von Schmerz) usw.

Mach es doch selbst!
Evgeny Morozov (Interview), Der Tagesspiegel

„[D]ie eigentliche Idee von Politik war es mal, Risiken über die Solidargemeinschaft abzufedern und so dem Einzelnen die Angst zu nehmen.“ Morozov fordert immer wieder eine Politisierung der Frage, was mit unseren Daten passiert. Letztes Endes laufen aber seine Überlegungen darauf hinaus, wie man das Ende der Privatsphäre besser organisieren kann. Anders als Peter Schaar, der Privatsphäre als Menschenrecht (Juli 2014) verteidigen will.

Sur le terrain des riches
Jules Naudet, La vie des idées

Soziologiestudenten aus Seine-Saint-Denis unternehmen eine (teilnehmende) Beobachtung des schicken Pariser 8. Arrondissements. Zwei Welten treffen aufeinander.

Ein Ausstieg mit drastischen Folgen
Timo Frasch, FAZ

Politischer Wille reicht nicht, es braucht auch Regierungskunst. Aber in Deutschland werden solche Fälle immerhin parlamentarisch aufgearbeitet. In Luxemburg braucht es dagegen sehr große Skandale (aber auch nicht zu groß), damit es eine Untersuchungskommission gibt.

#EUpickuplines

Sehr, sehr lustig (für EU-Nerds). La Libre bietet einen Überblick. Und wie konnte ich bis Donnerstag brauchen, bis ich den Hashtag entdeckt habe?

Black Mirror – Charlie Brooker

Black Mirror
Charlie Brooker, Channel 4

The New Yorker und Wired schwärmen aktuell von dieser britischen Serie, da sie nun auf Netflix (USA) verfügbar ist. Ich entdeckte die erste Staffel 2012 und jetzt mit großer Freude die zweite Staffel. Es gibt sechs Episode, die jeweils eine unabhängige Geschichte erzählen. Diese Dystopien spielen alle in einer nahen Zukunft. Das Interessante: Brooker entlarvt die Heilsversprechen der Internetpropheten („Kommuniziert mehr und wir werden die Welt retten“) – gewissermaßen Kulturpessimismus auf hohem Niveau. (Kleiner Tipp: nicht mit The National Anthem anfangen.)

Europa gewinnt Zeit
Cerstin Gammelin, Süddeutsche Zeitung

„Der Kampf um Wähler verlaufe nicht mehr zwischen Sozialdemokraten und Christdemokraten, sondern zwischen Populisten und Radikalen einerseits und allen Parteien der Mitte“, zitiert Gammelin ungenannte EU-Diplomaten. Deshalb sei die Eurogruppe der griechischen Regierung nicht entgegengekommen. „Somit bleiben die alten Probleme: Griechenland ist bankrott und Wolfgang Schäuble will nicht spielen.“, schreibt Jean-Lou Siweck. Da helfen auch die Solidarität-Tweets von François Bausch und Viviane Loschetter nicht.

Hervé Falciani: Bube, Damen, Ass
Oliver Zihlmann / Titus Plattner, SonntagsZeitung

Swissleaks als schlechter Geheimdienstroman – Luxleaks ist leider langweiliger

SREL-Kontrollkommissioun trëfft Bundesbeoptragte fir Stasi-Archiv
Pia Oppel, Radio 100,7

Der Bericht offenbart viel Zweifelhaftes in den Aussagen von Alex Bodry und Claude Wiseler. Unangenehm ist ihnen der implizite Vergleich zwischen SREL und Stasi, der durch die Einladung Roland Jahns aufkommt. Liest man, was Justin Turpel über seine SREL-Akte schreibt, dann ist ein Vergleich doch nicht völlig abwegig. Bodry und Wiseler beharren darauf, dass die Geheimdienst-Fichen zerstört werden müssten, sobald die Dokumente von Historikern aufgearbeitet sein würden – wegen des Datenschutzes. Warum das so sein soll, obwohl sie die Zugang zu den Dokumenten streng regeln wollen, leuchtet mir nicht ein. Erstens könnte die Arbeit dieser Historiker nicht mehr überprüft werden, was doch wissenschaftlich sehr fragwürdig ist. Zweitens ist das ein schlechtes Vorzeichen für das Archivgesetz, das irgendwann kommen soll. In einem Archiv muss es auch personenbezogene Dokumente geben können – deren Zugang eben strenger geregelt ist.

From Luxembourg with Love
JCJ, Tumblr

Vom SREL zu … JCJ – der Übergang ist selbsterklärend, oder? (via @stadfield)